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Bilderblog

Landschaft – in der Ferne ganz nah

5. 2. 2016

​In der Serie Landschaft – in der Ferne ganz nah spaziert das Auge durch den Kosmos eines eiszeitlich gebildeten Wasserbiotops in der Märkischen Schweiz. Ein kleines Areal von landschaftlicher Schönheit und Vielfalt. Die bei den einzelnen Aufnahmen minimal verschobenen Blickwinkel, die anschließend am Computer perspektivisch angeglichen werden, lassen den Betrachter in ein Seh-Erlebnis eintauchen, dessen 3-D-Effekt und die an ein Panorama erinnernde Weite sich am eindrucksvollsten erschließt, wenn man direkt vor den großformatigen Fotokompositionen steht. 

Jimi Hendrix und das Love and Peace Festival auf Fehmarn 4.9 bis 6.9 1970

16. 4. 2015

​1970 wollten drei musikbegeisterte Kieler – Helmut Ferdinand, Christian Berthold und Tim Sievers – mit dem “Love and Peace Festival“ auf der Ostseeinsel Fehmarn das legendäre “Woodstock“ Musikfestival auf europäischem Boden wieder auferstehen lassen und damit Musikgeschichte schreiben. Ein ehrgeiziges Ziel, hatten doch in den Jahren zuvor andere Festivals die Messlatte sehr hoch gehängt – Monterey, Altamont, Isle of Wight. Legendäre Festivals, auf denen die Blumenkinder sich selbst und ihre Ideale von Liebe und Frieden zelebrierten. Große Namen wie Jimi Hendrix, Ten Years After, Canned Heat, Taste, Colosseum, Ginger Bakers Air Force, Sly & The Family Stone, Procol Harum, Mungo Jerry und The Faces sollten den Hippies Anreiz sein, quer durch Europa zu reisen, um die berühmten Bands live zu erleben. Ein Musikfestival dieses Ausmaßes hatte es bis dahin in Deutschland nicht gegeben. Die Veranstalter hatten keine Ahnung von einem Musikzirkus dieser Größe und entsprechend finanziell unterversorgt war der Start. Zudem war die Verpflegung der Besucher nicht gesichert und die großen und trockenen Schlafzelte zu weit entfernt vom Geschehen, um sie nutzen zu können. Das Auftauchen einer Hamburger Rocker-Gang, die die Kontrollen an den Eingängen und rund um die Bühne an sich rissen, versetzten sowohl Publikum als auch die Organisatoren in Angst und Schrecken. Man hatte anfangs die sogenannten „Prügelperser“ als Ordner angeheuert, was nicht gerade für politische Feinfühligkeit sprach. So gerieten die Veranstalter nicht nur wetterbedingt vom Regen in die Traufe, als sie diese gegen die Rocker auswechselten. Die meteorologischen Unwägbarkeiten der Insel – der September war unerwartet kalt und nass – wird man den Veranstaltern allerdings nicht anlasten können. Aber beim Bühnenaufbau die Windrichtung nicht zu berücksichtigen, war wohl ihrer Naivität geschuldet. So versank eine wunderschöne Idee in Regen und Chaos. 

Ich begleitete das Festival als Fotografin. Wertete die Fotos aber erst 2012 aus. Anlass war der 70. Geburtstag des Gitarristen Jimi Hendrix, dem zwei Ausstellungen in Berlin und im Gronauer Rock'n Pop Museum darum gewidmet waren. Das Fehmarn Festival war sein letzter öffentlicher Auftritt, bevor er 12 Tage später, am 18. September, in London starb. Das Buch mit 166 Aufnahmen in S/W und Farbe ist ab Mai 2015 erhältlich. 

Berlin - narrativ, Inszenierungen der Macht und mächtige Inszenierungen

17. 11. 2014

die Hauptstadt zwischen 2000 und 2003 aus der Berlinserie: „So weit das Auge reicht …“

Der Titel des Berlin-Zyklus »Inszenierungen der Macht und mächtige Inszenierungen« ist nicht nur eine Anspielung auf die Stadt Berlin, wie sie sich nach dem Mauerfall darstellt – mit ihrer neuen und alten Architektur verbunden mit dem Wunsch sich vor aller Augen als lebendig, innovativ in unterschiedlichsten Situationen und Formen zu zeigen und damit neu zu positionieren. Dieser Titel will auch auf die kraftvolle Bildsprache der Fotoarbeiten in ihrer Überhöhung des räumlichen, teils expressionistischen Aufbaus im Vordergrund, in ihrer oft knalligen Farbigkeit und nicht zuletzt in ihren übergroßen Formaten hinweisen. Bewusst und gezielt bleibt in dieser Serie das Korn des klassisch analogen Bildmaterials zum Teil erhalten und sichtbar – gleichsam als Reminiszenz an die traditionelle, klassische Dokumentarfotografie.

Dr. Herrmann Schifferer, München 2009

Berlin - narrativ, Eroberte Räume

17. 11. 2014

„Nicht nur die Wohnung ist unser Zuhause, sondern auch die mit Gebäuden möblierte Stadt, unsere größere gemeinsame Wohnung, deren Mannigfaltigkeit unser Allgemeinbefinden verbessert. Das urbane Labyrinth lockt Kinder ebenso wie Erwachsene. Nicht nur eine auf Kultur zentrierte Romantik stellt kritisch fest, dass die Menschen, wenn sie es können, vom Standardisierten zum Individuellen, vom Eintönigen zum Vielfältigen übergehen. Sie tun es, weil sie nicht zu Feinden Ihres Glücks werden wollen.“

György Konrád: Glück, Stadt, Raum, Berlin 2002

„Gemäß der liberalen Tradition betrachtet das moderne Individuum, das in seinen privaten Räumen zu Hause ist, die Öffentlichkeit als sein Außen. ... wo das individuelle Handeln anderer sichtbar wird und nach Anerkennung sucht. Im Zuge der Postmoderne werden diese öffentlichen Räume jedoch zunehmend privatisiert. In der urbanen Landschaft verschiebt sich der Focus vom gemeinsamen Viertel und der öffentlichen Begegnung ... hin zu den geschlossenen Räumen der Einkaufszentren und abgezäunten Gemeinschaften. Die Architektur und Stadtplanung in Megastädten wie Los Angeles und Sao Paolo haben den öffentlichen Zugang und die öffentliche Interaktion immer weiter eingeschränkt, um die zufällige Begegnung unterschiedlicher Bevölkerungen zu vermeiden ...“

Michael Hardt, Antonio Negri: Empire, Frankfurt a/M. 2002

Blindflug

12. 5. 2014

Die Serie Blindflug begann ich mit einer sucherlosen kleinen Lumix und ohne dabei das Display zu benutzen. Während der Aufnahme halte ich die Kamera auf Brusthöhe. So werde ich trotz des geringen Abstands von den zu fotografierenden Personen kaum wahrgenommen. Nachträglich baue ich die einzelnen Bilder am Computer zusammen. Die Aufnahmen entstehen seit 2009 an unterschiedlichen Orten. Seit 2012 arbeite ich mit einer Fuji X100. Obwohl diese Kamera mit einem Okular ausgestattet ist, behalte ich für diese Serie meine Arbeitsweise bei. Kein Blick durch den Sucher, kein Blick auf den Monitor.

Himmel über Berlin

13. 12. 2013

Himmel über Berlin greift die Idee der seriellen Fotokunst auf. Das Konzept einer sammelleidenschaftlichen Betätigung à la Becher verfolgt hier allerdings das Ziel, das Serielle einem sinnvollen Gebrauch zuzuführen. Über den Zwischenschritt gestalteter Briefmarkensets, damit die Liebe zur Philatelie gefördert wird, können im Anschluß gummierte Briefmarkensammelbögen direkt auf die Wände und Decken einer Behausung platziert werden.

Die Aufnahmen entstanden mit meiner ersten digitalen Kamera und geben Auskunft über Datum, Technik und Programm. Aufgenommen wurden sie 210 von meiner Terrasse im Prenzlauer Berg und nachdem ich mich entschlossen hatte, nach einer anderen Wohnung Ausschau zu halten. Es war mir einfach zu viel Himmel.

Industrielle Landschaften

26. 11. 2013

​Industrielle Landschaften war mein erstes analoges Projekt mit dem Arbeitstitel: More in One. Das Auge wandert, wie bei einem Schwenk im Kino, über das Geschehen. Die Realität eines einheitlichen Fotos lediglich vortäuschend, sind die Fotos das Ergebnis komplexer Bearbeitungen. Der fließende Übergang verschiedener Perspektiven, die durchgehende Schärfe sowohl in der Nähe, als auch in der Ferne, lässt die Dinge als Einzelnes und zugleich die Welt als Ganzes wahrnehmen. Die Einzelfotos sind zum Hintergrund hin gestaffelt und entzerren das Geschehen. Das erleichtert das Durchwandern der Szenerie mit den Augen. Es sind Fotokompositionen, die den Eindruck und die Anmutung von Dreidimensionalität vortäuschen. Mit dieser Ästhetik entstehen großformatige Bilder zu unterschiedlichen Themen. Sie erinnern manchmal an Panoramen. Das sind sie aber weder in ihrer Herangehensweise noch in ihrer technischen Verarbeitung.